Paulus-Highlights: “Zur Freiheit befreit”
Fastenpredigtreihe 2009
Paulus-Highlights: “Zur Freiheit befreit”
24.03.2009
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater
(vgl. Gal 5,1ff.)
Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem
das Joch der Knechtschaft auflegen!
Hört, was ich, Paulus, euch sage:
Wenn ihr euch beschneiden lasst,
wird Christus euch nichts nützen.
Ich versichere noch einmal jedem, der sich beschneiden lässt:
Er ist verpflichtet, das ganze Gesetz zu halten.
Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt,
dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun;
ihr seid aus der Gnade herausgefallen.
Wir aber erwarten die erhoffte Gerechtigkeit kraft des Geistes
und aufgrund des Glaubens.
Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an,
beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf,
den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.
Doch im Glauben an den Herrn bin ich fest davon überzeugt,
dass ihr keine andere Lehre annehmen werdet.
Wer euch verwirrt, der wird das Urteil Gottes zu tragen haben,
wer es auch sei.
Man behauptet sogar,
dass ich selbst noch die Beschneidung verkündige.
Warum werde ich dann verfolgt?
Damit wäre ja das Ärgernis des Kreuzes beseitigt.
Diese Leute, die Unruhe bei euch stiften,
sollen sich doch gleich entmannen lassen.
Ihr seid zur Freiheit berufen, Schwestern und Brüder.
Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch,
sondern dient einander in Liebe!
Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
Wenn ihr einander beißt und verschlingt,
dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.
Darum sage ich: Lasst euch vom Geist leiten,
dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.
Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist,
das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch;
beide stehen sich als Feinde gegenüber,
so dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.
Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst,
dann steht ihr nicht unter dem Gesetz.
Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar:
Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben,
Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht,
Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst,
Trink- und Essgelage und ähnliches mehr.
Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe:
Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben.
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung;
dem allem widerspricht das Gesetz nicht.
Alle, die zu Christus Jesus gehören,
haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.
Wenn wir aus dem Geist leben,
dann wollen wir dem Geist auch folgen.
Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten
und einander nichts nachtragen.
Liebe Schwestern und Brüder!
1. Einleitung
“Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”, wer kennt dieses Lied nicht, ein beliebtes Lied, gerne auch mal mit Gitarre am nächtlichen Lagerfeuer gesungen.
Oder aber das Lied von Marius Müller Westernhagen: Freiheit. Ich war bei meiner Recherche nach diesem Lied sehr überrascht, als ich es auf einem Internetportal (www.germancharts.com), einem Hitparadenportal, festgestellt habe, dass dieses Lied “Freiheit” aus den 80er Jahren nun seit Anfang dieses Jahres unter den Top 100 der Hitparade gezählt wird. So ein relativ altes Lied und immer noch gerne gesungen. Woran mag das liegen? Liegt es an der Person eines Marius Müller Westernhagen, oder gibt es tieferliegende Gründe.
Dies sind jetzt nur zwei sehr bekannte Lieder, aber es gibt unzählig viele Lieder und Gedichte, in denen die Freiheit eine Rolle spielt.
2. Menschliche Sehnsucht nach Freiheit
Der Mensch sehnt sich nach Freiheit. Die Freiheit ist eine der größten menschlichen Sehnsüchte, die es gibt, seit Menschenbeginn. In Freiheit möchte jeder Mensch leben.
Aber das wir Menschen dieses Recht auf Freiheit auch schützen wollen, kennen wir in unserer europäischen Geschichte erst seit der französischen Revolution (1789). Die Freiheit zählt unerlässlich zu unserer Menschenwürde hinzu. “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”: Auffallend ist bei diesem Schlagwort, dass auch hier die Freiheit an erster Stelle steht.
Frankreich war es auch, das New York 1886 die Freiheitsstatue mit einer Höhe von 102 Metern und 22 Stockwerken geschenkt hat. Die Freiheitsstatue als Zeichen für Freiheit und Unabhängigkeit.
Auch unsere deutsche Verfassung schützt die Freiheit und die Würde des Menschen. Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit zur Äußerung der eigenen Meinung, Versammlungsfreiheit, Gewissensfreiheit: All dies sind essentielle Bestandteile unserer Freiheit. Wie wertvoll, wie wichtig diese äußere, politische Freiheit ist, das weiß man meist erst dann zu schätzen, wenn man sie verloren hat. Ich selber gehöre einer Generation an, die so etwas, Gott sei Dank, noch nicht miterleben musste. Ich persönlich kenne all dies nur aus Geschichtsbüchern. Aber ich kann mir vorstellen, dass unter uns noch einige ganz genau wissen oder selbst erleben mussten, wie es ist bzw. was es heißt, seine Freiheit zu verlieren. In unserer deutschen Geschichte brauchen wir da ja nicht einmal 100 Jahre zurückgehen.
Aber auch in unserer heutigen Gesellschaft gibt es Tendenzen die Freiheit des Menschen wieder einzugrenzen. Zustände, die durch Angst geprägt sind, veranlassen uns dazu, Freiheit einzugrenzen. Aktuell fallen mir da spontan zwei Themengebiete ein:
Der sogenannte “Lauschangriff” aus Angst vor Terrorangriffen;
oder aber das Thema der Sterbehilfe, wo immer die Gefahr besteht, quasi per Gesetz die Euthanasie wieder einzuführen.
3. Freiheit im Alten Testament
Der Freiheit begegnen wir auch im Alten Testament. Auch dort sehnt sich das Volk Israel nach Freiheit. Das Volk, gefangen in Ägypten, lebt in der Sklaverei.
Mose ist es, der im Auftrag Gottes das Volk befreit und in ein Land führen möchte, in das gelobte Land, hinausführen in die Freiheit. In der Wüste erhält das Volk Israel den sogenannten Dekalog, die zehn Gebote. Auf den ersten Blick scheinen auch die Gebote – quasi göttliche Gesetze – auch wieder einengen zu wollen. Gerade die Freiheit geschenkt bekommen, wird sie ihnen anscheinend auch schon wieder genommen. Mit Gesetzen und Vorschriften.
Es macht den Anschein, weil ich euch befreit habe, darf ich euch auch jetzt Vorschriften machen, wörtlich heißt es:
“Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.”
Von nun an in Freiheit zu leben ist die eine Seite, aber wie viele Jahre hat das Volk Israel in Gefangenschaft gelebt, ist es überhaupt noch möglich in Freiheit zu leben? So schnell wie man die Freiheit gewonnen hat, so schnell kann man sie auch wieder verlieren.
Gott hat dieses Volk erwählt und mit ihm einen unwiderruflichen Bund geschlossen und er möchte sicherstellen, dass sein Volk in Zukunft auch in Frieden und Freiheit leben kann. Der Dekalog ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als der Versuch Gottes die Freiheit des Volkes Israel, aber auch die Freiheit jedes einzelnen Israeliten zu schützen. Einzig allein aus dem Grund, damit sie sich nicht von neuem versklaven. Deutlich wird an diesem Dekalog, dass uns die Freiheit auf zwei unterschiedliche Weisen genommen werden kann. Die offensichtliche Variante, uns wird die Freiheit genommen, es gibt aber auch noch die Möglichkeit, dass wir uns selber versklaven, d.h. abhängig machen, das Volk Israel hat sich eine goldene Kuh geschaffen um sich genau davon selbst abhängig zu machen. Genau das prangert Gott an.
Deutlich wird dadurch aber auch, wie schwer es sein kann Freiheit zu schützen, gerade da, wo ein Volk lange Zeit nicht mehr wusste, was Freiheit überhaupt bedeutet.
4. Freiheit bei Paulus
4.1. Das alttestamentliche Gesetz
Bei Paulus sieht das nun auf den ersten Blick ganz anders aus. Indem er die Beschneidung als zwingend ablehnt, scheint er auch damit das gesamte jüdische Gesetz abzuschaffen. Müssen Heidenchristen sich beschneiden lassen?
Das ist eine Frage, über die die ersten Christen heftigst gestritten haben. Muss ein Mensch erst Jude werden, bevor er Christ werden kann? Konkret muss er sich erst beschneiden lassen, bevor er sich taufen lassen kann? An der Beschneidung hängt anscheinend auch das gesamte jüdische Gesetz, mit all den kleinlichen Reinigungs- und Kultgesetzen. Dort ist alles bis ins kleinste Detail hinein festgeschrieben und geordnet. Dort wird alles, was im Dekalog kurz und prägnant formuliert ist, bis ins kleinste Detail ausgeführt. D.h. konkret um beim Evangelium zu bleiben: Der Sabat ist auf jeden Fall streng zu heiligen, lieber soll man eine Kuh im Brunnen ersaufen lassen, als das man sich gegen Gott versündigt.
4.2. Abschaffung des Gesetzes durch Paulus?
Schafft Paulus dieses Gesetz nun wirklich ab?
Paulus unterstellt denjenigen, die sich beschneiden lassen, dass sie wirklich an Jesus Heilstaten glauben. Gott wurde Mensch um unseretwillen. Er ist für uns am Kreuz gestorben. Durch ihn sind wir befreit. Wir sind befreit von Sünde und Tod. Diese Freiheit ist durch Jesus Christus erwirkt worden und wird dem Menschen durch den Heiligen Geist, durch die Rechtfertigung im Glauben geschenkt. Durch Jesu Christi Heilstat sind wir befreit.
Paulus musste aber feststellen, dass diejenigen die am alten Gesetz festhalten, letztendlich Jesus Christus leugnen. Es ist nicht möglich an etwas festzuhalten und zugleich die Erneuerung durch Jesus Christi anzunehmen. Beides zusammen scheint nicht möglich. Paulus fordert die Galater und letztendlich auch uns heute heraus, uns zu entscheiden. Wie heißt es so schön in einem Spruch, der dieses Dilemma gut zusammenfasst:
“Man kann sich ein Leben lang alle Türen offenhalten.” Paulus fordert das volle Ja zu Jesus Christus, dass kein Jein zulässt. Jesus Christus ist der zentrale Punkt in unserem Glauben in der Hoffnung, und das fordert somit auch Konsequenzen.
Paulus spricht vom “Ärgernis des Kreuzes”. Für die Juden ist das Kreuz Anlass zum Ärgernis. Ich kann mir vorstellen, dass das für die Juden auf jeden Fall so gewirkt haben muss. Die Gesetze und alles, was ihnen wichtig war, wird durch das Kreuz in Frage gestellt bzw. quasi auf einen Schlag vernichtet. Wer würde da nicht ärgerlich drauf reagieren.
4.3. Warnung des Paulus
Und das ist noch nicht alles. Paulus findet noch schärfere Worte in seinem Brief. Anscheinend verstehen die Galater ihre neu gewonnene Freiheit als “Freifahrtsschein”. Sie sind befreit vom Gesetz, alles scheint erlaubt:
“Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Neid- und Missgunst, Trink- und Essgelage.”
Seien Sie ehrlich! Ich zumindest würde mir solche Dinge nicht an den Kopf knallen lassen.
Ich kann mir nur 2 Gründe vorstellen, warum Paulus die Verfehlungen so konkret anspricht. Entweder die Galater sind wirklich so ein verrufenes Volk, oder aber es handelt sich dabei um die Vorwürfe der Juden, die genau dieses, durch den Wegfall des Gesetzes und der gewonnenen großen Freiheit, den Galatern vorwerfen. Ich weiß nicht, ob dies Bild richtig ist, dennoch möchte ich es Ihnen nicht vorenthalten, welches mir bei dieser Textstelle in den Sinn gekommen ist: Wie war das in den wilden 68er Jahren: Die Jugend lehnte sich gegen die engen Normen und Strukturen auf. Ich selbst kenne es nur aus Büchern oder Filmen. Das war sicherlich auch eine Art von Befreiung. Neuerungen oder aber Veränderungen haben es nie leicht. Gerade in der Kirche tun wir uns ja immer besonders schwer damit, frei nach dem Motto: Es war schon immer so.
4.4. Grenzen der Freiheit
Dennoch wird aus diesen Aufführungen deutlich, dass die neu gewonnene Freiheit nicht grenzenlos zu sein scheint. Das gilt nicht nur auf das ganze Volk gesehen, sondern auch für jeden einzelnen Menschen. Aber im Gegensatz zum Alten Testament gibt uns Paulus kein “nicht enden wollendes, neues Gesetz”, sondern für ihn ist der alles entscheidende Maßstab die Liebe.
Er selber schreibt:
“Ihr seid zur Freiheit berufen, Schwestern und Brüder.
Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!
Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammen-gefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!” (Gal 5,14)
Die Grenze unserer menschlichen Freiheit ist der Nächste.
Dort, wo unsere Freiheit aufhört, beginnt die Freiheit des Anderen.
Wenn wir uns vom Geist Christi leiten lassen, der uns letztendlich unsere Freiheit geschenkt hat, tragen wir Früchte des Geistes wie “Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung” (Gal 5,23)
Wie gut, dass die guten Seiten des Menschen, die Paulus aufzählt, mindestens ebenso viele sind, wenn nicht sogar noch mehr, als wie die negativen, die wir eben gehört haben.
Streng genommen müsste man jetzt sagen, das ist doch eigentlich nichts anderes als wie auch schon im Alten Testament. Auch die Gesetze wollen die Freiheit des Menschen gewährleisten.
Der Maßstab unseres Handelns ist die Liebe und kein Gesetz, das bis ins kleinste ausgeführt ist. Das bedeutet konkret, dass wir selber aufgefordert sind, unser Handeln zu entscheiden. Uns ist ein Handlungsspielraum geschenkt. Gott schenkt uns die Freiheit, weil er ns zutraut, sie auch verantwortungsbewusst leben zu können. Er behandelt uns nicht wie kleine Kinder, sondern wie erwachsene reife Menschen.
Der Dominikaner Thomas von Aquin sagt in seinem großen Lehrwerk dazu, dass wir Menschen zwei Grundvermögen besitzen: den Vernunft und den Willen.
Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Mit seiner Vernunft, seinem Verstand, ist er in der Lage die Situation abzuwägen, alle positiven und negativen Seiten zu betrachten. Es liegt aber auch in seiner Verantwortung, selbst zu entscheiden. Und letztendlich ist es eine Frage des Willens, die getroffene Entscheidung auch in die Tat umzusetzen.
Thomas von Aquin lehrt über den Willen, dass die (metaphysischen) Wurzeln des menschlichen Willens echt menschlich sind (d.h. das sie natürlich und zum Menschsein dazugehören) und dass sie auf das Gute hin (Gemeinwohl, “bonum comune”) hin ausgerichtet sind. Das schlechthin nennt er Gott. Und genau in dieser Zielgerichtetheit auf das Gute hin, betont Thomas zugleich den Vorrang der göttlichen Gnade. Gott selbst ist die Quelle unserer menschlichen Freiheit und als “der Gute” zugleich auch sein Ziel. Gott selbst schenkt uns in Christus die Freiheit. Er befreit uns, er spricht uns frei von Sünde und Tod. Wenn er die Quelle unserer Freiheit ist, aber zugleich auch das Ziel, dürfen wir vollkommen auf Gott vertrauen und somit auch auf uns selber. Gott traut uns zu, richtig und gut zu handeln, ohne ein Gesetz zu haben, dass bis ins kleinste Detail alles genau regelt.
4.5. Angst und Verantwortung
George Bernard Shaw hat einmal gesagt: “Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit; das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.”
Mit der neu gewonnen Freiheit muss der Mensch auch die ihm darin enthaltene Verantwortung übernehmen. Und das kann auch Angst machen. Die Verantwortung macht Angst. Für das, was wir entscheiden, müssen wir auch unseren Kopf hinhalten. Wir werden angreifbar und dadurch verletzbar.
Ich bin gezwungen meine Entscheidung, mein Handeln zu verantworten.
Aber genau das traut Gott uns Menschen zu, Ihnen und mir. Gott behandelt uns wie erwachsene Menschen, nicht wie kleine Kinder, würden wir heute sagen. Er setzt großes Vertrauen in uns.
Klar, nicht alles, was wir Menschen tun, gelingt uns auch. Jeder Mensch hat Fehler und Schwächen. Aber genau darin liegt die Größe Gottes. Er sieht zuerst immer das Gute in uns und schenkt uns aber auch immer sein Erbarmen, wenn es uns mal nicht gelingt. Er nimmt uns an, wie wir sind, und er liebt uns so, wie wir sind. Und es gibt auch Situationen im Leben, wo man sich immer nur falsch verhalten kann, wie man sich auch entscheidet, es ist falsch. Und selbst Jesus ging es so. Als Jude kannte er das jüdische Gesetz und lebte auch danach, dennoch rettete er am Sabat eine Kuh aus dem Brunnen. Hätte er die Kuh ersaufen lassen, hätte er das Tier sterben lassen und eine Familie in den Ruin gestürzt, aber er hätte sich an das Gesetz gehalten.
Er hat sich aber anders herum entschieden. Er hat gegen das Gesetz gehandelt und damit letztendlich auch geholfen. Beim ihm hat das Gesetz der Liebe gesiegt.
5. Zur Freiheit befreit durch Jesus Christus
Liebe Schwestern und Brüder,
“Zur Freiheit befreit” lautet das Thema der heutigen Fastenpredigt. Die Freiheit ist es auch, die sich jeder Mensch sehnlichst erwünscht, aber auch wovor der Mensch Angst haben kann. Dennoch ist sie schützenswert, und damit meine ich nicht nur die politische Freiheit, sondern auch unsere menschliche innere Freiheit: ein Menschsein ohne innere Zwänge und Abhängigkeiten. So still und heimlich sie sich in unser Leben etablieren, umso schwieriger ist es, sie wieder los zu werden, sie können sehr hartnäckig sein.
Umso befreiender kann es sein, solche Zwänge loszuwerden.
Paulus spricht nicht nur einmal von Freiheit, sondern den Gedanken der Freiheit finden wir in all seinen Briefen. Paulus hat regelrecht eine Theologie der Freiheit entwickelt. Diese Freiheit ist letztendlich kein Freifahrtssschein. Der Mensch hat keine freie Verfügungsgewalt über die Freiheit. Freiheit ist ein hohes Gut, was der Mensch schützen muss. Diese Freiheit wurde uns erlösungsbedürftigen Menschen von Gott in Christus geschenkt. Christus befreit von den versklavenden Mächten der Sünde, des Gesetzes und des Todes. Ich wünsche uns allen den Glauben, der, wie es in der Schrift heißt, in der Liebe wirksam ist (Gal 5,6), ein Glaube, der sich fruchtbar erweist in Werken der Liebe, denn die Liebe ist und bleibt der Maßstab wahrer Freiheit.
Amen.

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